Nun war es soweit. 12:15 Uhr ging unser Flug zurück nach Deutschland.
Vom Hotel aus bestellten wir ein Taxi und fuhren zum Flughafen. Bei der Abfertigung
vermutete man keinen Alkohol oder Zigaretten bei uns. Alles ging schnell und reibungslos. Unser Flugzeug kam aus Frankfurt und hatte trotz des mehr als 9-stündigen
Fluges keine Verspätung. Unter den aussteigenden Passagieren waren einige, denen
man ansah, warum sie hierher gekommen waren. Hoffentlich waren sie sich dessen
bewußt, daß der Herbst schon begonnen hatte und mit Frost zu rechnen war.

Ralf im Flughafen Whitehorse
Einen "kleinen" Umweg mußten wir allerdings noch mitmachen. Die Boeing 767
flog erst mit uns nach Anchorage in Alaska. Dort wurde aufgetankt und weitere
Passagiere stiegen zu. Erst dann ging es am Nordpol vorbei auf einer wesentlich
nördlicheren Flugrute als beim Hinflug, in Richtung Deutschland.
Stundenlang überflogen wir geschlossenes Eis, streiften nur den Nordosten Grönlands und näherten uns dem Festland von Norwegen.
Am Freitag, dem 25.08.2000, 09:10 Uhr landeten wir pünktlich auf dem Flughafen
in Frankfurt am Main.
Ralfs Bruder und sein Vater waren mit einem VW-Bus gekommen, um uns abzuholen. Meine Margrit konnte nicht mitkommen, da die Schule schon begonnen hatte und sie sich mit den wohlerzogenen, lieben Kindern rumärgern mußte.
Ralf's Vater war sichtlich glücklich, daß sein "Kleiner" wieder gesund zurückkam
und alles so gut verlaufen war.
Uns waren die Menschenmassen ein Greul. Es würde wohl noch viele Tage dauern,
bis wir uns an diese Verhältnisse gewöhnt haben. Im Gedanken würden wir dann
sicher sehr oft am South Macmillan River sein.
Als wir vom Flughafen kommend auf die Autobahn in Richtung Kassel fuhren, waren wir gerade zwei Kilometer unterwegs, als wir im Stau standen.
An keinem einzigen Tag unserer Tour in der Wildnis Kanadas war es so langweilig
wie an diesem Tag auf der Autobahn.
Wie lange würden wir es wohl aushalten, bis wir dem "Lockruf der Wildnis" nicht
mehr widerstehen können und mit der Planung eines neuen Abenteuers beginnen ?
Klaus-Dieter Merbach
Juni, 2003
Wollte nach wochenlangem Regen etwa der Sommer an den Yukon kommen ?
Als wir etwa um 8 Uhr aufstanden schien die Sonne. Gestern so schönes Wetter
und heute wieder Sonnenschein ? So lange hatten wir auf der ganzen Tour noch
nicht die Sonne gesehen und ihre wärmenden Strahlen gespürt.
Da Ralf die schwere Küchenkiste beim Umtragen der Stromschnellen immer alleine
getragen hatte, klagte er schon seit Tagen über Rückenschmerzen.
Für mich war das gleich ein Grund darüber nachzudenken, wie man in Zukunft
mittels eines Tragegestells die Ausrüstung besser transportieren konnte. Irgendetwas
in dieser Richtung mußte ich mir zu Hause einfallen lassen.
Wir beschlossen, den heutigen Tag zum "Faulenzertag" zu erklären! Mit der
Strömung wollten wir uns treiben lassen und so richtig faul sein.
Erst 10:15 Uhr legten wir ab und genossen das Bad in der Sonne. Nur wenn es
zwingend erforderlich war griffen wir zum Paddel und korrigierten den Kurs.
Würde der Flußlauf geradeaus fließen, wären wir mit Sicherheit längst in Pelly
Crossing gewesen. Aber er schlängelte sich mit seinen Mäandern durch die Weite
der kanadischen Wälder, als ob er sich dagegen wehren wollte, bald in den Pelly
River münden zu müssen.
Wie Teilnehmer einer Safari kamen wir uns vor, als wir im Kanu liegend eine Elchkuh
mit Kalb sahen und später am Ufer einen Schwarzbären beobachteten, der
offensichtlich etwas fressbares gefunden hatte und uns nicht bemerkte.
Um uns herum die hohen Berge und zu beiden Seiten des Flusses die unendlichen
Wälder - wir waren wie verzaubert von der Schönheit der Natur.
Ruhig und entspannt trieben wir dahin. Das war unser erster Urlaubstag ohne Gefahren
und Stress.

Sonnenbad im Kanu
Kanadagänse und uns unbekannte Entenarten, die es in den engen Tälern, oben in
den Bergen nicht gegeben hatte, waren jetzt sehr oft zu sehen.
Leider hatte sich die Situation bezüglich der Lachse nicht geändert. Trotz intensiver
Beobachtung des Wassers war kein einziger Lachs zu sehen.
In dieser Beziehung hatten wir vor zwei Jahren am Big Salmon River wesentlich
mehr Glück. Im Oberlauf, da wo wir drei Seen überqueren mußten, gab es Äschen
und Forellen im Überfluß. Tagelang haben wir unseren Heißhunger auf Fisch
mit gebratenen und geräucherten Äschen und Forellen gestillt. Besonders köstlich
waren auch die Fischsuppen, für die wir extra Gemüse, Graupen und Zitronen
mitgenommen hatten.
Einige Tage später waren dann auch die Lachse da und es gab frischen Wildlachs
in allen Variationen. Ob gebratener, gekochter oder geräucherter Lachs, er war
immer köstlich. Doch dann kam auch der Tag, an dem wir erstmal keinen Fisch
mehr essen wollten. Ein Wurstbrot war nun wieder der große Renner.
Ab sofort wurde auch das Angeln eingestellt, denn wir wollten keinen Lachs fangen,
ohne die Absicht zu haben, ihn auch zu essen.
Hier am Macmillan hätte uns ein einziger Lachs erstmal gereicht. Ralf kannte ja
den Hochgenuß von gebratenem oder geräuchertem frischen Lachs noch nicht.
Ich wußte aber sehr genau worauf ich leider verzichten mußte.
Das Fischsuppengemüse, das wir verloren und dann wiedergefunden hatten, war
nun ohnehin verwelkt und konnte nicht mehr verwendet werden.
In Sachen Verpflegung bestand allerdings keine Not! Wir hatten den selbstgefangenen
Fisch nicht fest eingeplant! Aber gerade als wir am Macmillan von den
Stromschnellen nicht mehr so beansprucht wurden und mehr Zeit hatten, hätte ich
gerne meine Kochkunst bei der Zubereitung von Wildlachs gezeigt. Sollte das in
diesem Jahr ein Traum bleiben ?
In weiter Ferne war da am rechten Ufer etwas helles zu sehen. Dieser helle Farbton
paßte nicht zur Umgebung. Es mußte etwas besonderes sein!
Langsam trieb unser Kanu, nur von meinem Paddel gesteuert, darauf zu. Erst in
einer Entfernung von etwa 50 m konnten wir erkennen, was es war. Es war ein von
Sonne, Wind und Wetter ausgebleichtes kapitales Elchgeweih. Mit Draht hatte
man es samt Kopf des Elches an einer angeschwämmten Baumwurzel befestigt.
Mir war bekannt, daß die Indianer in Kanada von der Regierung bestimmte Gebiete
zur Jagd zugewiesen bekamen. Diese Gebiete sind auch heute noch für weiße
Jäger tabu!
Laut unserer Flußkarte war aber hier kein solches Gebiet!
Kaum jemand der hierher kommt, wird sich aber die Arbeit machen ein Elchgeweih
an einer Wurzel zu befestigen, wenn er keinen wichtigen Grund dafür hat!
Was sollte uns dieses Zeichen sagen ?
Wir konnten die Botschaft nicht deuten und fuhren mit einem Gefühl der Erwartung
weiter.
Obwohl wir heute kaum selbst gepaddelt hatten, waren wir mit der Strömung sehr
gut vorwärts gekommen. Die Sonne hat es den ganzen Tag sehr gut mit uns gemeint.
Wir hatten im Gesicht sogar etwas Farbe bekommen und all unsere Sachen
waren restlos getrocknet.
Am Nachmittag war es dann Zeit einen geeigneten Übernachtungsplatz zu finden.
Das war bei unseren Ansprüchen keine leichte Aufgabe. Als wir dann eine kleine
Lichtung am rechten Ufer entdeckten, glaubten wir schon ein ideales Camp für
die kommende Nacht gefunden zu haben. So, wie wir es bisher immer gemacht
hatten, kontrollierten wir auch an diesem Tag den gesamten Platz und seinen angrenzenden
Baumbestand. Keinesfalls wollten wir in ein markiertes Bärenrevier
geraten.
Leider fanden wir ein deutliches Anzeichen für die Anwesenheit eines Bären. Vor
uns lag im Gras ein beachtlicher Haufen ausgeschiedener oder ausgewürgter roter
Beeren. Man konnte sie nicht mehr richtig zuordnen, aber dem Bären waren sie
offensichtlich nicht gut bekommen.
In diesem Fall gab es für uns keine Diskussion, wir mußten uns einen anderen
Platz suchen.
Als wir laut Flußkarte an dem Tag etwa 70 km zurückgelegt hatten, fanden wir
dann noch einen schönen Platz auf einer Sandbank mit ausreichender Sicht nach
allen Seiten.
Obwohl es schon mehrmals Nudeln mit Tomatensoße gab, hatte ich an diesem
Abend Appetit darauf. Ralf brauchte ich in diesem Fall nicht zu fragen, das war
sein Leibgericht!
Keine Stunde war nach unserer Ankunft vergangen und das Zelt stand fertig ausgestattet
da. Auf dem Lagerfeuer köchelte ein Riesentopf mit Nudeln und mit dem
Propankocher zauberte ich eine nach Knoblauch duftende Tomatensoße.Selbstverständlich
hatten wir auch geriebenen Parmesankäse für das Sößchen mit.
Das gute und reichhaltige Essen am Abend war bisher auf unserer Tour ein fester
Bestandteil der Tagesetappe. Das sollte auch in Zukunft so bleiben!
So lecker, wie das Essen bei der Zubereitung geduftet hatte, so lecker schmeckte
es uns dann auch. Wie an jedem Tag, blieb nichts übrig!
Satt und zufrieden genossen wir dann ein Zigarillo und gönnten uns auch einen
kräftigen Schluck "Aromatique" (ein nach Lebkuchen schmeckender Kräuterlikör,
den es schon in DDR-Zeiten gegeben hatte) Getreu nach dem Sprichwort :
"Wer Sorgen hat, hat auch Likör", hat ihn uns Ralf`s Vater als Universalmittel
gegen 1000 Beschwerden mitgegeben. Ich muß sagen, daß er mir hier in der freien
Natur wesentlich besser schmeckte als zu Hause.
Auch in dieser Nacht schliefen wir fest und ruhig bis zum nächsten Morgen, als
uns die hoch am Himmel stehende Sonne begrüßte.
Obwohl unsere Kräfte in den letzten Tagen kaum beansprucht wurden, haben wir
an diesem Tag etwas länger geschlafen. Sicher holte sich der Körper so nach und
nach die verlorengegangene Energie zurück. Schließlich mußte ich in der vergangenen
Woche zweimal neue Löcher in den Gürtel bohren um die Hose nicht zu verlieren.
Wärend Ralf unser Zelt abbaute und die Bodenplane reinigte, bereitete ich uns ein
deftiges Frühstück. Es gab heute Rührei mit Speck, Wurstbrote und eine Riesenkanne Kaffee.
Derart gestärkt legten wir etwa 10 Uhr ab und folgten den unendlichen Windungen
des Flußlaufes.
Die Sonne, die uns am Morgen so vielversprechend geweckt hatte, verkroch sich
am Mittag immer häufiger hinter dicken Wolkenbergen. Wie aus dem Nichts waren die Wolken entstanden und bedeckten mehr und mehr den Himmel.
Da wir bereits erlebt hatten, wie schnell es hier plötzlich regnen kann, nahmen wir
vorsorglich unsere Regenkombis aus der Kraxe.
Mehr und mehr kündigte sich ein dramatischer Wetterumschwung an. Die Sonne
hatte sich ganz verabschiedet und die Wolken wurden immer dunkler und kamen
der Erde näher.
Als dann noch ein ständig zunehmender Wind aufkam zogen wir die Regenkombis
an und deckten unsere Ausrüstung mit der Plane ab.
Am Ufer war weit und breit keine größere Lichtung zu finden und wir entschieden
uns, solange kein Gewitter aufkam, auf dem Wasser zu bleiben. Selbst bei sehr
starkem Wind würde es kaum höhere Wellen geben und wir wären sicher gegen
umstürzende Bäume.
Gerade waren wir mit den Vorbereitungen auf den vermuteten Sturm fertig, als es
auch schon losging. Der Wind peitschte uns den Regen ins Gesicht und zerrte an
der gut verschnürten Plane.
Die Temperatur war in kürzester Zeit von 18°C auf 5°C gefallen und wir ahnten
schon, daß da noch etwas kommen mußte. Was dann kam, war die Hölle! Ohne
Vorankündigung ging der starke Regen in Hagel über. Hagelkörner von etwa 10mm
Durchmesser prasselten auf uns nieder. Glücklicherweise hatten wir dicke Wollmützen aufgesetzt, um die Hüte im Sturm nicht zu verlieren. Zusätzlich schützte
die Kaputze der Regenjacke den Kopf vor den Hagelkörnern.
Das Kanu trieb steuerlos auf dem Fluß und war ein Spielball des Windes.
Wir saßen etwa 30 min. zusammengekauert auf unserem Sitz und hofften auf ein
baldiges Ende dieser Tortour. Selbst die Hände mußten wir unter die Oberarme
klemmen, um sie vor den Hagelkörnern zu schützen.
Mir gingen in diesem Moment Berichte aus dem Fernsehen durch den Kopf, die
Hagelkörner von der Größe eines Tischtennisballs zeigten. Solche Eisbrocken
hätten wir dort nicht überleben können.
Ab und zu hob ich leicht den Kopf, um die Position unseres Kanus auf dem Fluß
korrigieren zu können. Keinesfalls durften wir auch unter diesen erschwerten Umständen in die Nähe von Schwämmholz geraten.
Das Unwetter war nach etwa einer Stunde genau so schnell vorbei, wie es gekommen war. Es regnete zwar noch leicht, aber es hagelte nicht mehr und der Wind
hatte auch nachgelassen.
Mit den beiden kleinen Kochtöpfen schöpften wir die dicke Schicht Hagelkörner
aus dem Kanu und ordneten anschließend unsere Ausrüstung.
Nach einer weiteren Stunde riß sogar die Bewölkung wieder auf und ab und zu
sah man die Sonne. Leider tat sich bei der Temperatur nichts. Es blieb bei etwa
5° C lausiger Kälte.
Es war so gegen 18 Uhr, als wir in der Ferne, etwa bei km 105, eine Hütte am rechten Ufer sahen. Eigentlich haben wir uns in unserem Zelt immer sehr wohlgefühlt,
hofften aber diesmal sehr, daß die Hütte uns nach dieser Wetterattacke Unterschlupf gewähren würde.
Leider war die Blockhütte in einem sehr verkommenem Zustand. Das Dach hatte
sich bereits gesenkt und in der Hütte roch es muffig. Trotzdem schien sie von Jägern gelegentlich genutzt zu werden.
Uns war alles zu schmutzig und wir wollten lieber ein Platz für ein Camp suchen
als in diesem Schweinestall zu campieren.
Entgegen des sonstigen Tagesablaufes, wollten wir aber erst unser Abendessen
machen und dann ein Camp für die Nacht suchen.
Vor der Hütte baute ich meine Küchenkiste und den Propankocher auf und Ralf
sorgte für das große Kochfeuer.
Heute sollte es eine Erbsensuppe aus der Büchse geben. Um die Menge der Suppe zu vergrößern kamen noch vorher gegarte Kartoffeln und angebratene Bockwurstscheiben dazu. Langsam hatte ich den Eindruck, daß es egal war was ich
kochte - es war immer ein Hochgenuß.
Nachdem wir das Geschirr und die Töpfe abgewaschen hatten, setzten wir uns
noch in aller Ruhe an das Ufer und qualmten ein Zigarillo.
Hinsichtlich der aufkommenden Dunkelheit hatten wir ja in diesen Breiten keine
Probleme. Es wurde erst gegen Mitternacht so dunkel, daß man nicht mehr auf
dem Fluß fahren konnte. Wir hatten also noch genug Zeit ein ordentliches Camp
zu finden.
Nur etwa vier Kilometer flußab fanden wir dann eine Hütte, wie wir sie nicht besser hätten finden können.Eigentlich waren es zwei Hütten, von denen die eine bestimmt schon im 19. Jahrhundert errichtet wurde. Sie war baufällig geworden und
man hatte in unmittelbarer Nähe eine neue Blockhütte errichtet. Der Standort war
sehr gut gewählt, da das Ufer recht felsig und bewachsen war und in einer
Höhe von ca. 5m über dem Wasserspiegel ein waagerechtes Plateau bildete.
Die Tür war nur mit einem normalen Riegel, ohne Schloß versehen. Das ist für
Paddler indirekt ein Zeichen, daß der Besitzer nichts gegen eine Benutzung hat,
wenn man sich an gewisse Regeln hält.
Wir kannten diese Regeln und hielten uns strickt an das, was jeder Kanute beherzigen sollte. Wir sorgten für eigenes Brennholz, verbrauchten keine vorhandenen Lebensmittel, nahmen unseren Müll mit und hinterließen die Hütte und das
Umfeld so, wie wir es vorgefunden hatten.
Die Einrichtung war den Bedürfnissen der Jäger angepaßt, die jedes Jahr im Spätsommer und Herbst hierher kommen und Elche jagen.
Da gab es den wichtigsten Gegenstand in einer solchen Hütte, den Yukon-Ofen.
In seiner Urform, aus einem 200 L Ölfaß hergestellt, funktionieren die heutigen
Öfen noch nach dem gleichen Prinzip wie damals. An der Stirnseite wurde ein Ofenlied angebracht, auf der gesamten Länge des Fasses ein Rost eingesetzt und oben
ein Anschluß für das Ofenrohr angeflanscht. Das ganze wurde auf vier Beine gestellt und fertig war ein Ofen, der binnen kürzester Zeit in der Lage war, eine Blockhütte auch bei stärkstem Frost auszuheizen.
Am hinteren Ende der Hütte standen zwei Stahlrahmenbetten mit Matratzen und
an einem der beiden Fenster war ein Tisch mit zwei Stühlen. Ein einziger kleiner
Schrank diente zur Aufbewahrung von diversen Küchengeräten.
Das Ganze machte einen sehr ordentlichen Eindruck und wir entschlossen uns, eine Nacht in dieser Hütte zu bleiben.

Blockhütte
Als erstes wurde Holz gesammelt, zersägt und teilweise gehackt. Schon nach kurzer Zeit rauchte der Schlot und der Ofen strahlte wonnige Wärme ab.Nun wurden
an jeden verfügbaren Nagel unsere Sachen zum Trocknen aufgehängt. Das jeder
Balken mit vielen eingeschlagenen Nägeln bestückt war zeugte davon, daß die Besitzer der Hütte auch oft Kleidung zu trocknen hatten.
Als dann unsere restliche Ausrüstung verstaut war und die Schlafsäcke auf den
Betten lagen, kamen wir langsam zur Ruhe. Gegessen hatten wir ja schon und was
lag nun näher, als in diesem schönen, warmen Hüttchen einige Schluck Whisky durch
die Kehle rinnen zu lassen. So ganz in Ruhe und genüßlich !
Wir haben geschlafen wie Gott in Frankreich. Ich bin nicht ein einziges Mal wach
geworden und war mir sicher, daß wir so laut geschnarcht hatten, daß selbst ein
Bär nicht in unsere Nähe gekommen wäre. Ralf hatte auch sehr gut geschlafen und
war voller Tatendrang.
Draußen empfing uns ein strahlend blauer Himmel und der Stand der Sonne zeigte
uns wie spät es schon an diesem Morgen war. Unsere Uhren hatten wir nach
und nach so tief in unserem wasserdichten "Wertsachenfaß" vergraben, daß keiner
das Bedürfnis hatte, sie zu suchen.Wir brauchten hier keine Uhr - der Sonnenstand
sagte uns die Zeit.
An diesem Morgen muß es so gegen 10 Uhr gewesen sein. Somit hatten wir etwa
12 Std. geschlafen.
Unsere Hosen, Jacken, Hemden und Schuhe waren restlos trocken geworden und
konnten verpackt oder angezogen werden. Ein schönes Gefühl trockene Sachen
am Morgen anziehen zu können!
Ohne viel Worte kramte jeder das zusammen, wofür er zuständig war. Es dauerte
keine halbe Stunde und unsere Ausrüstung war im Kanu verstaut.
Die im Ofen vorhandene Asche wurde entfernt und das restliche Holz zu dem gelegt,
was als Vorrat neben der Hütte aufgeschichtet war. Ein kleiner Rest blieb
am Ofen um trocken zur Verfügung zu stehen.
Vor der Abfahrt kontrollierten wir nochmals die Hütte und deren Umfeld. Der Besitzer sollte uns nichts negatives nachsagen können.
Als wir dieses schöne Camp verließen, hatten wir ein Gefühl der Dankbarkeit in
uns. Wir konnten gut schlafen und hatten es mollig warm. Das ist hier draußen
in der Wildnis schon etwas ganz besonderes.
Vor uns lag der letzte gefährliche Flußabschnitt auf unserem Weg nach Dawson.
Nachdem etwa 20 km flußab der Macmillan River in den Pelly River mündet, geht das weite Tal
unterhalb der Palmac Ridge in ein Canyon über.
Ein Gebirge aus hohen Felsen stellt sich dort den Wassermassen des Pelly Rivers
entgegen. In Millionen von Jahren hat sich der Fluß einen Weg durch die Felsen
gegraben und es entstand der Granite Canyon.
In der Flußbeschreibung von Mike Rourke wird man sehr eindringlich vor den
im Canyon lauernden Gefahren gewarnt. Zu beiden Seiten des Flusses ragen steile
Felswände auf und im Fluß ist mit riesigen Felsen zu rechnen, die je nach Wasserstand sichtbar sind oder gewaltige Schwallwellen erzeugen. Es wird keine Gelegenheit geben den Canyon zu umtragen oder das Kanu an der Leine zu führen.
Sollten wir dort allerdings größere Probleme bekommen und eventuell einen Totalverlust erleiden, dann hätten wir die Möglichkeit uns bis zur Indianersiedlung Pelly
Crossing durchzuschlagen. Bis dorthin sind es vom Granite Canyon aus nur noch
etwa 46 km.
So gegen 12 Uhr erreichten wir in einer sehr ruhigen Fahrt den ersten Mündungsarm des Pelly Rivers. Das Wasser beider Flüsse war von gleicher Färbung.
Offensichtlich hat es in den Pelly Mtn. ebensoviel geregnet wie in den Selvyn Mtn.,
wo wir vor 2 Wochen unsere Fahrt begonnen hatten.
Ein ganzes Stück Wehmut kam dann doch auf, als der Macmillan hinter uns aus
dem Blickfeld verschwand. Dieser Fluß hat bei uns einen ganz besonderen, tiefgehenden Eindruck hinterlassen.
Manchmal wild und lebensbedrohlich, dann wieder ruhig fließend von einer wunderschönen Landschaft umgeben. Und der Tierreichtum! Es verging kein einziger
Tag, an dem wir nicht Bären, Elche und Adler gesehen hatten. Nicht zu vergessen
die Ruhe, die unberührte Natur und seit zwei Wochen kein anderer Mensch.
Wer hat in der heutigen Zeit schon noch die Gelegenheit einen Grizzly aus unmittelbarer Nähe, in freier Natur zu sehen oder ein Wolfsrudel mit seinen Jungen zu beobachten ?
All das würden wir ab Pelly Crossing nicht mehr in dem Maße haben, wie auf "unserem"
Macmillan River.
Nach der Mündung des zweiten Armes des Pelly Rivers hatte der Fluß schon eine
beachtliche Breite. Hier war er schon etwa 200 m breit und mit Respekt und voller
Erwartungen dachten wir daran, was wohl in den nächsten Stunden auf uns zukommen würde. Im Granite Canyon würden die Wassermassen auf etwa 100m
Breite zusammengepreßt!
Bei Kilometer 71 ging der Flußlauf in eine nach rechts beginnende Doppelkurve,
die am Prallhang schon beachtliche Felswände aufwies. Hier hatte das Wasser aber
noch genügend Platz, um ohne Beschleunigung abfließen zu können. Nach dieser
Doppelkurve sahen wir auf einer langen Geraden schon von Weitem die sich verengende Schlucht des Canyons. Die Strömungsgeschwindigkeit nahm ständig zu.
In der Flußbeschreibung und laut Karte begann der schwierige Teil des Canyons
nach dieser Geraden mit einer Linkskurve. Dort sollten in der Flußmitte große
Felsen liegen.
Auf Ralf`s Paddeltechnik konnte ich mich zu diesem Zeitpunkt wesentlich mehr
verlassen, als das in den Stromschnellen in den Bergen der Fall war. Er hatte erheblich mehr Gefühl für die Reaktionen des Kanus und führte bestimmte Manöver
schon selbstständig aus. Trotzdem konnten wir einen gewissen "Bammel" nicht
verleugnen, als das Rauschen des Wassers immer lauter zu hören war.
Jedem sei vor dem Befahren solcher Stromschnellen geraten, von unverantwortlichen Aktionen abzusehen. Nicht zum ersten Mal sind in Stromschnellen dieser
Art gute Schwimmer ertrunken. Man kann beim Kentern mit dem Kopf gegen Felsen
schlagen,ein Bein kann sich zwischen den Felsen am Grund verklemmen oder
Strudel ziehen den Schwimmer immer wieder nach unten.
Ein gewisses Restrisiko bleibt natürlich immer! Ein Ort für Heldentaten und unüberlegte Handlungen ist solch eine Stromschnelle aber auf keinen Fall!
Wir jedenfalls hatten unsere Sinne voll beisammen als wir uns der ersten Linkskurve am Eingang des Canyons näherten. Ralf beobachtete den Bereich von ca.50 m
vor dem Bug, um mir knapp unter der Wasseroberfläche liegende Felsen anzuzeigen. Ich versuchte an Ralf`s breiter Schulter vorbei etwas weiter voraus zu schauen, um festzustellen welcher Bereich des Flusses mit unserem Kanu überhaupt befahrbar ist.
Bei km 44, kurz vor der ersten Linkskurve, ist eine Bootsanlegestelle, die von den
Jägern aus Pelly Crossing zum Einsetzen ihrer Boote genutzt wird. Ein Waldweg
führt vom Klondike Highway hierher und ermöglicht so das Umfahren des Granite
Canyons. Als wir dort vorbeikamen war weder ein Boot noch ein abgestellter Pickup zu sehen. Die Burschen kommen erst im Herbst, wenn es darum geht, den
größten Elch zu erlegen.
Mit beachtlicher Geschwindigkeit gingen wir auf der Flußmitte in die Linkskurve.
Ich hatte mir angewöhnt, vor einer Kurve mit unbegehbarem Ufer, immer möglichst in Flußmitte zu bleiben. Beim Erkennen von unbefahrbaren Hindernissen hatte man nur die halbe Breite des Flusses zu paddeln, um die Seite zu wechseln.
Das wiederum hatte auch einen Nachteil! In der Flußmitte ist die Strömungsgeschwindigkeit am größten und die Reaktionszeit zur Einleitung von bestimmten
Manövern ist oft sehr kurz.
Zu unserer Verwunderung war von den großen Felsen in diesem Flußabschnitt
nichts zu sehen. Allerdings waren da große Wellen, die das Vorhandensein der
Felsen auf dem Grund erahnen ließen. Die Wellen hatten zwar vom Wellenkamm
bis zum Wellental eine Höhe von gut einem Meter, waren allerdings so langgezogen, daß wir sie mit Schußfahrt und ohne einzutauchen abreiten konnten.
Immer mit der Angst im Nacken, es könnte in einem der Wellentäler doch ein Felsen lauern, brausten wir zu Tal.
Obwohl wir nicht mit dem Bug eingetaucht sind, standen wir alleine durch das
Spritzwasser bis zu den Knöcheln im Wasser. Und das hieß, die in der Hütte
schön getrockneten Schuhe waren wieder sacknass.Unsere Gummistiefel hätten
das verhindern können.
Nach der Kurve folgte wieder eine Gerade und das Flußbett wurde etwas breiter.
Auf der Karte war nun eine Doppelkurve, linksbeginnend, eingezeichnet. Jede der
Kurven bog rechtwinklig ab und und war am Ufer von hohen Felsen begrenzt.
Da ich während der Fahrt keine Zeit hatte auf die Karte zu schauen, habe ich mir
den Flußlauf vorher eingepräg und die Flußbeschreibung mehrmals gelesen.
Bevor wir die vor uns liegende Doppelkurve befahren konnten, wollte ich unbedingt auf der rechten Seite, unmittelbar vor der ersten Kurve anhalten. Irgendwo
mußte es dort hoffentlich ein kleines Stück begehbaren Ufers geben. Von dort
aus würde ich mit dem Fernglas den Flußlauf einsehen können und unseren weiteren
Kurs bestimmen.
Wieder begann in der Ferne das bedrohliche Rauschen und es wurde immer lauter. Um jederzeit an einer geeigneten Stelle an Land gehen zu können, hielten wir
uns ganz dicht am rechten Ufer. Etwa 100 m vor der Linkskurve entdeckte Ralf
eine Stelle, an der man gut anlegen konnte. Sofort wurde das Anlegemanöver mit
einer Kertwende eingeleitet und dann mit voller Kraft gegen den Strom paddelnd,
beendet.
Wir befestigten das Kanu am Bug und am Heck mit Seilen an entsprechend großen Steinen.
Mit dem Fernglas konnte ich gut erkennen, daß es eigentlich keinen Idealkurs gab.
Auf der gesamten Breite des Flusses schäumte das Wasser. Wir hatten keine andere Wahl - es ging nur auf dem Wasser weiter in Richtung Dawson City.
Allerdings wollte ich auf keinen Fall hier auf der rechten Seite des Flusses bleiben.
Hier hätten wir es nach 100 m mit dem Prallhang zu tun, das ist sozusagen die
Außenkurve, gegen die das Wasser mit all seiner Kraft drückt und nach links gelenkt wird. Erfahrungsgemäß gibt es dort zwar weniger Felsen auf dem Grund
aber gewaltige Strudel.
Nachdem wir das Wasser aus dem Kanu geschöpft hatten, legten wir ab und paddelten unter Aufbietung all unserer Kräfte schräg über den Fluß zur anderen Seite.
Die seitliche Drift war natürlich bedingt durch die Fließgeschwindigkeit in der Flußmitte sehr hoch. Gerade noch rechtzeitig hatten wir den Idealabstand zum anderen
Ufer erreicht, als wir das Kanu längs zur Fließrichtung stellen mußten. Ohne verschnaufen zu können nahmen wir den Kampf gegen die Naturgewalten auf. Sehr
schnell erkannte ich allerdings, daß wir auf dieser Seite überhaupt keine Chance
hatten, durchzukommen. Auf einer Länge von gut 100 m lauerten kurze ,steil aufsteigende Wellen mit so kurzem Radius, daß wir nach kurzer Zeit abgefüllt wären
und als U-Boot weiterfahren müßten.
Als ich Ralf zurief : "zur anderen Seite!",drehte er sich um und ich sah in seinem
Gesicht das blanke Entsetzen.
Das Kanu drehte sich nach rechts und wir tangierten die erste hohe Welle gerade
noch mit dem Heck. Fehlentscheidungen dieser Art werden vom Fluß sofort bestraft. Die Welle knallte gegen das Kanu und wir bekamen eine ordentliche Ladung
Wasser als Ballast mit auf den Weg zur anderen Seite.
Da ich als Steuermann im Heck saß und die Situation zu verantworten hatte, trafen
die Wassermassen ja auch gleich den Richtigen.
Nun waren nicht nur meine Schuhe naß, sondern auch Jacke, Hemd, Unterhemd
und Hose.
Für Betrachtungen dieser Art war natürlich zu diesem Zeitpunkt keine Zeit. Leicht
querab treibend, pflügte sich das Kanu von unseren Paddeln getrieben, durch das
Wasser zur anderen Seite des Flusses.
Als wir bereits die Flußmitte überquert hatten, fanden wir langgezogene, sehr hohe
Wellen vor. Wir hörten auf zu Paddeln und stellten das Kanu längs zur Strömung.
Auf diese geradezu erzwungene Weise und dem daraus entstandenen Zick-Zack-
Kurs waren wir dem Prallhang entgangen und im allerletzten Moment durch nochmaliges Wechseln der Seite einer unbefahrbaren Stromschnelle ausgewichen.
Nun steuerten wir geradewegs mit beachtlicher Geschwindigkeit der zweiten Kurve entgegen. Wieder steuerte ich das Kanu so, daß wir am Gleithang blieben und
ich hoffte nicht wieder mit derart vielen kurzen Schwallwellen konfrontiert zu werden, wie vor wenigen Minuten.
Wie auf einer Berg-und Talbahn brausten wir zu Tal und mußten uns daran erinnern, daß wir die gleiche Situation vor Tagen in den Bergen schon einmal erlebt
hatten. Das Wasser spritzte uns ins Gesicht und begann sich schon auf dem Boden
des Kanus zu sammeln.
Mit beachtlichem Tempo bogen wir dicht am rechten Ufer in die Rechtskurve ein.
Meine Taktik, den Prallhang zu meiden, war diesesmal goldrichtig. Die Strömung
war so gewaltig, daß es uns trotz intensiven Paddelns von der rechten Flußseite
weit über die Mitte hinaus in Richtung Felswand des Prallhanges trieb.
Hätten wir zu Beginn der Kurve nicht so weit vorgehalten, wären wir dort mit Sicherheit gescheitert. Ich erinnerte mich in dem Moment an den in der Karte eingezeichneten spitzen Felsen "Needle Rock", der im Auslauf der Kurve am linken
Ufer weit in den Fluß hineinreicht.
Die Wassermassen erzeugten ein Rauschen und Getöse, wie es furchteinflößender nicht sein konnte.Aber Zeit für Angst und Diskussionen hatten wir nicht. Es
gab kein Rückwärtsgang und auch keine wirklich funktionierende Bremse.
Vor uns ragte Needlesrock Island, wie ein warnender, erhobener Zeigefinger aus
dem Wasser. Es handelt sich dabei um einen 15 m hohen Felsen, der mitten im
Fluß steht und über Grund nur etwa 15 m lang und 8 m breit ist.

Needles Rock Island
Von den Eismassen im Frühjahr, Unmengen von Treibholz und der ständigen
Strömung des Wassers wurde der riesige Felsen so in Form gebracht, daß er
der Strömung wenig Wiederstand entgegenzusetzen hat.
Bei Niedrigwasser kann man eine kleine Insel erkennen, auf der dieser markante
Felsen steht.
Da wir durch die Strömung bereits auf der linken Seite des Pelly Rivers waren,
entschlossen wir uns links an Needlerock Island vorbei zu fahren. Wir mußten
allerdings vermeiden, zu dicht in Ufernähe zu kommen.. Dort sahen wir schon aus
der Ferne, wie sich das Wasser an den Felsen austobte. In unmittelbarer Nähe von
Needlesrock Island gab es nur die uns schon vertrauten hohen, langen Wellen.
In einem Abstand von etwa 40 m zum Ufer passierten wir die Durchfahrt. Nur wenige
Meter neben unserem Kanu begannen auf der linken Seite gut einen Meter hohe
Schwallwellen und Strudel.
Da wir bereits gut 30 Liter Wasser im Kanu hatten, mußten wir unbedingt Ausschau nach einer Landestelle halten. Nur 200 m hinter Needlerock Island fanden
wir eine kleine Kiesbank am Ufer und führten trotz der starken Strömung ein sauberes Landemanöver durch.
Durch unsere Anspannung auf dem Fluß hatten wir garnicht gemerkt, daß der
blaue Himmel grau geworden war und es zu nieseln begonnen hatte.
Ralf kramte die "guten" Zigarillos aus dem Fäßchen und tat noch einen halben Liter Whisky dazu. Ach, hat das geschmeckt!
Das wir beide naß waren, war kein Thema. Diesen Zustand kannten wir noch von
den Stromschnellen in den Bergen. Wenn man in Aktion bleibt, dann erwärmt sich
die Kleidung von innen und hält trotzdem Wind und Wetter ab. Gefährlich wird
das Ganze erst, wenn man mit diesen nassen Sachen untätig rumsitzt und zu frieren
beginnt. Dann ist es höchste Zeit sich umzuziehen.
Wir schöpften das Wasser aus unserem Kanu und legten ab, um noch am heutigen
Tag die Indianersiedlung Pelly Crossing zu erreichen.
Am Ende des Canyons mündet der Needlerock Creek in den Pelly und von dort
aus soll ein Pfad hinauf auf die Felsen des Canyons führen. Laut Flußbeschreibung
eine lohnende Aussicht.
Wir haben damals, ehrlich gesagt, die Stelle verpaßt. Nach Needlerock Island ging
es weiterhin mit erheblichem Tempo voran und man mußte zu sehr auf Felsen,
Schwallwellen und Strudel achten, als das man noch Zeit gehabt hätte nach einer
Bachmündung Ausschau zu halten.
Erst bei km 40 nimmt die Strömung stark ab und der Fluß wurde wieder breiter.
Als wir uns mit dem Kanu auf dem Fluß treiben ließen, wurde uns erst so richtig
bewußt, was wir geleistet hatten. Der Granite Canyon lag hinter uns und wir waren
weder gekentert, noch hatten wir das Kanu zum U-Boot gemacht. Da wir keine
Wildwasserprofis mit entsprechenden Trainingsmöglichkeiten sind, hatten wir in
diesem Moment das Recht uns gegenseitig zu loben. Und das taten wir auch!
In der Nähe der Old Wilkinson Farm, einem längst verlassenen Anwesen, stand
ein wirklich riesiger Schwarzbär am Ufer und schaute furchtlos zu uns herüber.
Kleinere Schwarzbären hatten es meist sehr eilig im Wald zu verschwinden. Dieser tat nicht dergleichen. Offensichtlich handelte es sich hier um ein ausgewachsenes Männchen, das seine Stärken kannte.
Bevor der Fluß in mehrere kilometerlange Windungen überging, entdeckten wir am
rechten Ufer, hoch auf einem Plateau, mehrere Blockhütten. Wir beschlossen, zu
einer Inspektionsrunde an Land zu gehen.
Schnell erkannte ich, zu welchem Zweck die Hütten dienten. Schon 1998 hatte ich
am Yukon mehrere dieser Fishcamps der Indianer gesehen. Einige Schlachtbänke
gab es da und von den Hütten umgeben befand sich im Zentrum das Räucherhaus.
Es war ein Haus mit offenen Wänden und einem zeltförmigen Dach. In der Mitte
des Daches befand sich eine verstellbare Öffnung als Rauchabzug. In einer Höhe
von etwa 2,20 m waren sehr viele lange Stangen befestigt, die zum Aufhängen der
Lachsfilets dienten. In der Mitte des Bodens war eine Feuerstelle ausgehoben, um
den erforderlichen Rauch zu erzeugen.Die edelste Art Lachse zu räuchern, ist das
"Kalträuchern". Die Filets werden nicht gegart, sondern nur dem Rauch ausgesetzt.
Dieser Vorgang dauert allerdings mehrere Tage, bringt den Indianern aber bei den
eigens aus Japan anreisenden Aufkäufern sehr hohe Preise.
Uneingeschränkten Lachsfang oder gar der Fang mit Fischrädern ist ohnehin nur
noch den Indianern erlaubt.Ihre Rechte beruhen auf uralten Verträgen mit der Kanadischen Regierung.
Offensichtlich ist in diesem "Fishcamp" in diesem Jahr noch kein einziger Lachs
gefangen worden. Die Betreiber wissen durch ein umfassendes Informationsnetz
entlang des Yukon genau, ob sich der Fang lohnen wird. Liegt der Lachszug unter
einem bestimmten Limit, werden die Fischräder garnicht erst aufgebaut.
Ursache für den dramatischen Rückgang der großen Lachszüge sind ganze Trawlerflotten vor dem Mündungsgebiet des Yukon. Dort fangen insbesondere Japaner,
US-Amerikaner und Russen ganze Jahrgänge von Lachsen weg, bevor diese den
Fluß erreichen, um zum Laichen in die Quellgebiete zu ziehen.
Die Auswirkungen solcher Raffgier haben wir ja nun in diesem Jahr selbst erlebt.
Sehr betroffen von einem so unmittelbaren Beweis der Zerstörung der Natur auch
hier oben im hohen Norden, verlassen wir das Camp und setzen unsere Fahrt fort.
Es waren jetzt nur noch etwa 20 km bis Pelly Crossing .Dort würden wir nach zwei
Wochen wieder auf andere Menschen treffen. Besonders wild waren wir allerdings
nicht auf diesen Moment.

Der Pelly River
Während wir die fast unendlichen Biegungen des Pelly Rivers befahren, lichten
sich die Wolken, der blaue Himmel zeigt sich und die Sonne lacht uns entgegen.
Zu beiden Seiten des Flusses erstrecken sich weite Graslandschaften, die vor
100 Jahren mehr als 10 000 Büffeln als Sommerweide gedient haben.
Aber auch dieses Kapitel der Natur hat der Mensch zu Ungunsten der Büffel gestaltet.
Als wir die letzte Flußbiegung vor der Indianersiedlung befuhren, sahen wir schon
von weitem ein einmotoriges Wasserflugzeug in der Nähe des ersten Gebäudes.
Wildes Hundegebell kündigte uns den Bewohnern an. Eine ganze Schar Kinder
stand am Ufer, und beobachtete die seltenen Gestalten auf dem Fluß. Wer weiß,
was sie sich in dem Moment gedacht haben ? Wir winkten ihnen zu - doch keine
Erwiederung!
Ein Stück weiter stand eine Frau am Ufer und schaute zu uns herüber. Ich rief ihr
einen Gruß zu und fragte nach einer Möglichkeit zum campen. Sie antwortete mit
vielen Worten, die ich größtenteils nicht verstand. Das in der Nähe der Klondike
Highway-Brücke ein Campground sein sollte, hatte ich aber verstanden.
In der Nähe einer Bootsrampe fanden wir dann auch ein geeignetes Plätzchen für
die Nacht. Wir hatten nicht vor, hier länger zu bleiben, da der Ort keinen sehr einladenden Eindruck machte.
Obwohl es schon 20 Uhr war, wollten wir vor dem Aufbau des Lagers das Umfeld erst etwas erkunden. Ralf wollte lieber das Kanu ausladen und ich ging dann
erstmal auf Erkundungstour.
Es war ein Ort, der mit einer Indianersiedlung, wie man sie aus Filmen kennt, nichts
zu tun hat. Längst wohnt auch ein Indianer in einem Blockhaus mit einem riesigen
Pickup und einem Schneescooter vor der Tür.
Durch den Ort zog sich ein unbefestigter Weg von einem Haus zum anderen. Die
wenigen Bewohner, die ich sah, machten einen sehr ärmlichen Eindruck. Bei den
Männern glaubte ich mit ziemlicher Sicherheit den Alkohol in ihren Gesichtszügen
erkennen zu können.
Niemand sprach mich an und es herrschte mir gegenüber allgemeines Desinteresse.
Im Zentrum des Ortes stand ein größeres sehr gepflegtes Gebäude. Es war das
Verwaltungsgebäude der Territorialen Indianervertretung "Selkirk First Nation"

First Nation
Auf einer Schautafel war die Geschichte der Ureinwohner dieser Gegend dokumentiert. Mit gewissem Stolz wurde von Zeiten berichtet, in denen es den Ureinwohnern dieser Gegend sicher besser ging als heute.
Letztendlich waren aber auch die Stämme des Nordens von den Segnungen des
"Weißen Mannes" überrollt worden. Geblieben war ihnen Arbeitslosigkeit, Sozialhilfe und Alkoholismus.
In dem Gebäude entdeckte ich auch eine Poststation mit einem öffentlichen Telefon. Vor zwei Jahren hatte ich die Vorzüge von R-Gesprächen entdeckt und mir
die entsprechende Telefonnummer notiert. Auf sehr einfache Weise kann man, ohne
Geld zur Hand zu haben, zu Hause anrufen. Das wollten wir dann am nächsten
Morgen vor unserer Weiterfahrt erledigen.
Einmal im Jahr erreicht der Ort Pelly Crossing eine gewisse Berühmtheit. Im Februar findet das weltbekannte Schlittenhunderennen "Yukon Quest" von Whitehorse nach Fairbanks in Alaska statt. In Pelly Crossing ist dann ein Checkpoint eingerichtet, den jedes Hundegespann passieren muß. Danach versinkt der Ort wieder in den von September bis Mai andauernden Winterschlaf.
Etwa 200 m von unserem Camp entfernt, befand sich ein großer Wellblechschuppen, in dem Tag und Nacht ständig ein Dieselgenerator zur Stromerzeugung lief.
Man hatte sich keinerlei Mühe gegeben den Lärm durch Schallschutzmaßnahmen
einzudämmen. Im Umkreis von einem Kilometer war das Dröhnen des Generators
zu hören. Wir brachten für eine derartige Gleichgültigkeit keinerlei Verständnis auf.
Als letztes suchte ich noch die Tankstelle am Klondike Highway auf, um zu erkunden, wie dort die Einkaufsmöglichkeiten sind. Ich fand einen recht ordentlich sortierten "Store" vor, in dem wir am nächsten Tag ohne Probleme unsere Nahrungsmittel auffrischen konnten.
Ralf war wieder fleißig und hatte schon das Zelt aufgebaut und ein Feuer entfacht.
Nachdem ich nicht so schnell wieder zurück war, ist er logischerweise davon ausgegangen, daß unser Camp brauchbar ist.
Ich machte aus zwei großen Büchsen Nudelsuppe und einer weiteren Büchse Hühnerfleisch einen Riesentopf Suppe. Dazu gab es altes, hartes Brot mit Belag nach
Wahl.
Unten am Fluß spulten wir dann beim Sonnenuntergang so gegen 23 Uhr unsere
allabendliche Zeremonie ab ( Schnäpschen-Zigärrchen - aber kein Bierchen).
Mit den Auswirkungen der Strapazen des Granite Canyons in den Knochen, fielen wir
dann in einen wohlverdienten Tiefschlaf.
Der Tag begann mit häßlichem Nieselregen. Gestern hatten wir ja schon festgestellt, wie uninteressant dieses Pelly Crossing ist und wollten auch ohne Verzögerung weiterfahren.
Nach dem Frühstück hat dann Ralf seinen Vater zu Hause angerufen. Er war derjenige, den man zu dieser Zeit auch zu Hause antreffen würden.Von ihm wurden
dann meine Angehörigen verständigt. Unser erstes Lebenszeichen nach zwei Wochen war natürlich eine große Erleichterung für unsere Lieben zu Hause.
Anschließend übernahm Ralf wieder den Abbau des Lagers und ich schulterte
meine Kraxe und lief zum "Store", der 200 m entfernt gelegenen Tankstelle am
Klondike Highway.
Ich hatte mir vorher eine Aufstellung unserer Fehlposten gemacht und konnte so
schnell und zielgerichtet suchen. Obwohl der Laden nicht groß war, fand ich alles,
was wir brauchten. Da sich Ralf immer sehr über reichliches und köstliches Essen
freute, nahm ich für unser heutiges Abendessen alle Zutaten für "Hamburger" mit.
Diesbezüglich war ein überreiches Angebot vorhanden. Allerdings waren die Preise auch nicht von schlechten Eltern.
11:30 Uhr Ortszeit waren wir fertig, um uns von der Zivilisation wieder zu verabschieden. Wir bedauerten das in keiner Weise. Besonders freuten wir uns auf das
fehlende Dröhnen des Dieselgenerators von Pelly Crossing.
Vor uns lagen weitere ca. 410 Flußkilometer bis zu unserem Zeil.
Nachdem wir etwa einen Kilometer gefahren waren, schwamm ein Schwarzbär
seelenruhig vor unserem Kanu von einem Flußufer zum anderen. Nun hatte uns die
Wildnis wieder!
Für die etwa 80 km bis zur Mündung des Pelly Rivers in den Yukon hatten wir
keine Karten zur Verfügung. Zwei Fakten kannte ich allerdings! Es gab keine gefährlichen Stromschnellen und es gab keinen Wasserfall! Alles andere würde keine Probleme machen.
Die weiten Ebenen zu beiden Seien des Ufers waren mit hohem Gras, Büschen
und zusammenhanglosen Waldstücken bewachsen. Der Fluß lag mit seinem Wasserspiegel etwa 3m unter der Uferabbruchkante und man konnte nur an sehr wenigen Stellen die Landschaft überschauen.
Mit einer Geschwindigkeit von etwa 7 km/h kamen wir auf dem Fluß treibend zügig voran. Nach den am Vortag ausgestandenen Strapazen im Granite Canyon,
kam uns ein solcher Tag ohne Anstrengungen gerade recht.
Schätzungsweise hatten wir so gegen 18:30 Uhr etwa 45km zurückgelegt, als wir
nicht glauben konnten, was wir weit vor uns am rechten Ufer sahen.
Es war ein großes schwarzes Tier mit einem gedrungenen Kopf und relativ langen
Beinen. Ein wesentlich kleineres Tier bewegte sich in dessen unmittelbarer Nähe.
Aus einer Entfernung von etwa 200 m konnten wir nicht genau erkennen, um welche Tiere es sich handelt.
Für einen Schwarzbär war es zu groß und hatte zu lange Beine. Zu einem Elch
paßte der gedrungene Kopf, der massieve Körper und das schwarze Fell nicht.
Oder war es einer der wenigen Waldbüffel, die es vereinzelt noch gab ? Aber hier
im Yukon Territory - sehr unwarscheinlich!
Als wir näher kamen und erkannten um welches Tier es sich handelte, mußten wir
über uns selbst lachen!
Es war eine schwarze Kuh mit ihrem Kalb!
Was macht aber eine Kuh mit ihrem Kalb rund 45 km vom nächsten und einzigen
Ort entfernt in tiefster Wildnis ? Sehr seltsam und für uns unerklärlich.
Einen Kilometer flußab die nächste Überraschung.
Auf der gleichen Uferseite auf der wir die Kuh mit ihrem Kalb gesehen hatten, lief
ein großer Schwarzbär in deren Richtung. Er lief so zielsicher, als wüßte er genau
wohin er wollte.
Das Wetter hatte sich nicht gebessert und wir waren durch den kalten Wind und
fehlende Bewegung ziemlich durchfroren. Es war Zeit für ein gutes Camp, ein
wärmendes Lagerfeuer und ein gutes Essen.
Hinter einer Flußbiegung, etwa 20 km vor der Mündung in den Yukon, sahen wir
etwas völlig unerwartetes.
Am rechten Ufer befand sich ein Tal mit einer Ausdehnung von schätzungsweise
3 qkm. Wie eine überdimensional große Kiesbank hatte der Fluß vor langer Zeit
wohl dieses Tal geschaffen. Seitdem hatte er sich tiefer und tiefer in den Boden
gegraben und lag nun etwa 4 m unterhalb der Uferkante.
Obwohl wir vom Wasser aus die Ebene nicht überschauen konnten, sahen wir
zu unserer Überraschung ein Haus am Ufer stehen. Das kam uns gerade recht,
dort konnten wir sicher einen guten Lagerplatz finden.
In gebührendem Abstand gingen wir an Land, um die Lage zu erkunden. Wir
wußten ja nicht, ob das Blochhaus bewohnt war und mit welchem Typ Mensch
wir es ggf. zu tun hatten.
Ralf bewachte unsere Ausrüstung und ich ging auf Erkundungstour.
Als ich die Uferböschung erklommen hatte, sah ich noch weitere Blockhütten und
ein größeres Gebäude, welches meiner Meinung nach zur Unterbringung von Tieren diente.
Ein Misthaufen mit gewaltigen Ausmaßen ließ darauf schließen, das es sich hier
um eine Farm handelte, die über einen beachtlichen Tierbestand verfügte.
Diese Erkenntnis erklärte auch gleichzeitig die Herkunft der flußauf beobachteten
Kuh mit ihrem Kalb.
Bei den Bewohnern handelte es sich um 3 Familien mit ihren zahlreichen Kindern
aller Altersgruppen.
Nachdem alle Bewohner zusammengekommen waren und ich erklärt hatte woher
wir kamen und was das Ziel unserer Reise war, wurde ich freundlich begrüßt und
aufgefordert das Lager an einer uns zusagenden Stelle aufzuschlagen.
Zu meinem Erstaunen stellte man mir dann eine junge Frau vor, die seit einem Jahr
hier lebte und aus Deutschland kam, um der Lebensweise in ihrer Heimat zu entfliehen.Somit hatten wir hier auch keine Verständigungsprobleme mehr.

Pelly River Range
Wir bauten etwas abseits unser Lager auf, Ralf sammelten Brennholz und ich bereitete uns ein köstliches Abendessen. Ralf wußte nichts von den Hamburgern,
die ich machen wollte und für die ich alle Zutaten eingekauft hatte.
Groß war das Staunen, als zwischen die beiden Brötchenhälften die Fleischscheibe, Zwiebelringe, Ketchup und ein Salatblatt geklemmt wurde. So wurden nach
und nach, vollkommen ohne Eile, innerhalb der nächsten 2 Stunden von uns beiden
je vier Hamburger verschlungen.
Wie hungrig doch das Leben in der Natur macht!
Während unseres üppigen "Abendmahls" kam die junge Frau aus Deutschland zu
uns und war sichtlich froh, sich in ihrer Muttersprache unterhalten zu können.
Von ihr erfuhren wir viel über die Lebensweise auf dieser Farm.
Später kamen die drei Frauen der Farmer noch dazu und erkundigten sich, mit
guter Ortskenntnis, nach unseren Erlebnissen in den Stromschnellen des Macmillan
Rivers. Sie sagten uns, daß die Männer im Herbst dorthin fahren, um auf Elch-
und Bärenjagd zu gehen.
Nachdem wir reichlich Kaffe mit einem ordentlichen Schuß Whisky ausgeschenkt
hatten, löste sich die Versammlung langsam auf.
Wir beide setzten uns noch an die Uferböschung und jeder schmokelte ein's von
den Zigarillos.
Als wir uns gerade in den Schlafsäcken verkrochen hatten, fielen in einiger Entfernung zwei Schüsse. Laut Aussage der "Deutschen" gelten solche Schüsse
fast immer den Wölfen, die es auf die Hühner und Kälber der Farm abgesehen haben. Weitere Schüsse konnten wir nicht mehr hören, da unsere Einschlafphase unterhalb von 3 min. lag.
Da wir nach unserer Ankunft weder Zeit noch Lust hatten, uns die Ranch genauer
anzusehen, taten wir dies am anderen Morgen.
Das ganze Anwesen bestand aus Ställen, Hütten und Wohnhäusern aus allen Epochen der Besiedelung dieses Tals. Da gab es Hütten, die bereits zusammengebrochen waren, neben solchen, die sich seit Jahren im Aufbau befanden.
Sehr gerne und ohne Vorbehalte zeigte man uns alles was es zu sehen gab. Wir
durften Filmen und Fotos machen, wie es uns gefiel.
Was uns dabei am meisten wunderte war die Tatsache, daß niemandem hier bewußt war, wie abgrundtief unordentlich alles war.
In den zusammengebrochenen Hütten befand sich noch Werkzeug und Geräte,
die man garnicht versucht hatte zu retten.
Wenige Meter neben einem der drei bewohnten Häuser türmten sich defekte
Haushaltsgeräte, verrostete Traktoren, alte Autos und landwirtschaftliche Geräte
zu einem beachtlichen Schrotthaufen auf.
Hunderte Hühner und ca. 20-30 Kühe hatten freien Auslauf und hinterließen allgegenwärtig ihre Exkremente.
Der Misthaufen hatte Ausmaße erreicht, als wäre er schon 200 Jahre alt.
Gerade zu dem Zeitpunkt als wir uns die Ranch ansahen, war eine Suchaktion gestartet
worden. Die drei Männer waren sich sicher einen Schweißgenerator zu besitzen,
wußten aber nicht wo er war.
Noch nie in unserem Leben hatten wir solch eine Unordnung, solch ein Chaos gesehen!
Trotzdem hatten wir den Eindruck, daß alle die hier lebten, glücklich und zufrieden
waren.
Am Abend vorher hatten wir erfahren, wie gerne man uns Gemüse aus dem Garten und Eier verkaufen würde.Wir nahmen das Angebot gerne an und füllten unsere Tonne mit Zwiebeln, Möhren, Kohlrabi, Gurken und 20 Eiern auf.
Zum Abschied bekam ich noch von dem ältesten der drei Männer eine Kralle von
einem Schwarzbären geschenkt.
Als wir dann in unser Kanu stiegen, stand Kind und Kegel der Pelly River Range
am Ufer um uns nachzuwinken.

Das perfekte Chaos
Wenige Kilometer flußab am linken Ufer befand sich ein weiteres Gehöft. Es gehörte einem Mann und einer Frau, die sich hier niedergelassen hatten, um ihren
Lebensunterhalt mit der Bewirtung und Führung von Touristen zu verdienen. Angesichts des sehr kurzen Sommers und der Abgeschiedenheit ein sehr gewagtes
Unternehmen.
Da wir gerade erst 3 km gefahren waren und Fort Selkirk noch besichtigen wollten,
blieb für einen Stop keine Zeit.
Im Vorbeifahren sahen wir, wie eiligst die Landesfahne gehißt wurde und wir winkten uns gegenseitig zu.
Am Ende des Tals mit der Pelly River Range, begannen sich die Ausläufer der Plateau-Berge aus dem Boden zu erheben. Etwa 400 m hoch, liefern sie dann an der
Mündung des Flusses einen imposanten Anblick.
Ich hatte vor zwei Jahren den Pelly River aus einer anderen Perspektive gesehen.
Damals kam ich vom Oberlauf des Big Salmon Rivers und war bereits ca. 90 km
auf dem Yukon unterwegs, als ich diese markanten Berge sah.
Vollkommen unspektakulär, ja fast heimlich, vermischte sich das Wasser des Pelly Rivers mit dem des Yukon Rivers. Einen Unterschied gab es jedoch, der uns
gleich auffiel. Das Wasser des Yukon war glasklar, das Wasser des Pelly Rivers
erdbraun.Lange Zeit waren beide Wasserqualitäten wie durch eine Linie voneinander
getrennt.
Erst einige Kilometer fußab hatten die Felsen auf dem Grund und die dadurch entstandenen Strudel die Wassermassen so vermischt, das der Yukon nicht mehr so
klar war wie vor der Mündung des Pelly Rivers.
Ein Anflug von Traurigkeit befiel mich, als wir unser Kanu dem großen Strom anvertrauten.War doch für mich die Zeit der Entdeckung nun vorbei. Dieses Teilstück des Yukon bis nach Dawson City kannte ich schon.
Da ich selbst eher die schmaleren, lebhafteren Flüsse liebe, auf denen die Beobachtung von Fauna und Flora viel einfacher und intensiever ist, glaubte ich auf diesem enorm breiten Fluß etwas verloren zu haben.
Nur wenige Kilometer nach dem hinter uns liegenden Mündungsgebiet befand
sich am linken Ufer Fort Selkirk, die ehemalige Handelsstation der Hudson Bay
Company.
Wohnhäuser, Handelshäuser, zwei Kirchen und eine Schule mit einem einzigen
Klassenzimmer sind noch heute gut erhalten und jedem Besucher zugänglich.Eine
Indianerfamilie lebt hier und betreut die historischen Gebäude.
Das Familienoberhaupt, ein uralter Mann, legt großen Wert darauf, daß man sich
sofort nach Ankunft in ein großes,dickes Gästebuch einträgt.
Wir schauten uns alles genau an, machten einige Fotos und verließen Fort Selkirk
bei einsetzendem Nieselregen.
Das Wetter wurde immer trostloser. Zu dem Nieselregen gesellte sich nun noch
ein scharfer Wind der uns entgegenblies.
Wir mußten kräftig paddeln und tausende vom Wind beschleunigte Wassertropfen
stachen wie Nadeln im Gesicht.
Seitdem wir auf dem Yukon waren, hatte ich auch wieder Flußkarten zur Verfügung und darauf hatte ich vor zwei Jahren alle unsere Camps eingezeichnet.
Somit wußten wir, daß bis zum Selwyn River kaum etwas brauchbares zu finden
war.
Allerdings hatte ich auch in einer der vielen Flußbeschreibungen von zahlreichen
Bären und lästigen Mücken im Gebiet des Selwyn Rivers gelesen. Inwieweit das
den Tatsachen entsprach, konnte ich nicht beurteilen.
Auf unserem Weg zum Selwyn River war das Wetter intensiv dabei, unsere Laune
auf den Nullpunkt zu bringen. Es schien fast so, als ob der Wind und die peitschenden Regenschwaden unser Kanu zum Stehen brachten.
Es war schon sehr eigenartig. Als ich vor zwei Jahren hier vorbei kam, gab es an
dieser Stelle ein heftiges Gewitter mit viel Wind, Regen, Blitzen und Donnerschlägen. Mehrere Blitze waren am linken Ufer in den Wald eingeschlagen und hatten ihn
in Brand gesteckt. Bis auf dieses Gewitter hatten wir damals einen richtig schönen,
warmen Sommer am Yukon. Der Wald war knochentrocken und stand lichterloh
in Flammen. Über dem Fluß und der Landschaft lagen dichte Rauchwolken.
Da wir durch eine Biegung den ganzen Waldbrand nicht einsehen konnten, war fraglich, ob wir auch später noch atmen konnten. Es war eine sehr kritische Situation.
An Land zu gehen, war auch nicht ratsam, da uns des Feuer einschließen konnte.
Wir gingen davon aus, daß die Brände gerade erst durch das Gewitter entstanden
waren und die Rauchentwicklung noch nicht so bedrohlich sein konnte.
Mit kräftigen Paddelschlägen beschleunigten wir unser Kanu und kamen ohne Probleme an dem Waldbrand vorbei.
Uns plagte diesmal kein Waldbrand oder ein Gewitter, sondern dieser starke Wind
und der Regen.
Stundenlang folgte ein Paddelschlag dem anderen und nur bei Kurskorrekturen fiel
mal dieses und jenes Wort.
Etwa 5 km vor dem Selwyn River, der eigentlich nur ein Bach ist, überquerte ein
stattlicher Schwarzbär schwimmend den Yukon.Im Vorbeitreiben hörten wir deutlich seine hastigen Atemzüge. Am Ufer angekommen, schüttelte er sich heftig und
verschwand eiligst im Unterholz.
Mindestens einen Bären gab es jedenfalls hier, das wußten wir nun genau!
Rechtzeitig vor der Dunkelheit erreichten wir den Selwyn Creek und somit eine
gute Stelle für ein Camp.
Alles was wir anhatten, war wiedermal naß oder klamm! Ein ordentliches Feuer
und ein reichliches Essen mußte her!! Nur so war es möglich, unsere Laune aus
diesem Stimmungstief wieder herauszuholen.
Als erstes spannten wir unsere Seile im Zick-Zack von Baum zu Baum. Die Plane
dort drübergeworfen und verspannt, ergab einen wunderbaren Ort, an dem es nicht
regnete!
Während ich mich mit der Plane beschäftigte, versuchte Ralf das Feuer in Gang
zu bekommen. Erst qualmte es gewaltig, dann ging es wieder aus! Das gleiche
Ergebnis nach allen weiteren Versuchen---kein Feuer! Schon oft hatte er selbst
bei schlechten Voraussetzungen ein Feuer gemacht, heute wollte es einfach nichts
werden. Und dann passierte etwas, was ich nicht erwartet hatte und nicht typisch
für Ralf war….er gab auf!
Da ich die Situation mit dem Sauwetter etwas gelassener hinnahm und nicht diesen
inneren Zorn hatte, gelang es mir, das Feuer zu entfachen.
Unter der Plane zauberte ich für uns aus der Trockenmilch, Mehl, frischen Eiern
und Salz eine beachtliche Anzahl Eierkuchen ( Pfannkuchen ) So, wie sie fertig
wurden, so wurden sie auch gleich gegessen. Mal mit Zucker, mal mit Marmelade.
Gegessen wurde ja bei uns nicht, bis man satt war, sondern bis nichts mehr da war.
Gerade als das Feuer zu brennen begann, hörten wir ein eigenartiges Brummen in
der Ferne. Es kam näher und näher! Wir stürmten in Erwartung eines Motorbootes zum Fluß. Die Dämmerung war bereits weit fortgeschritten und wir trauten unseren Augen nicht, als im Tiefflug, keine 10 m über dem Wasser ein Buschpilot
mit seinem Flugzeug an uns vorbeiflog. Über die Verrücktheit des Piloten, bei der
Dunkelheit und dem Mistwetter noch zu fliegen, waren wir uns einig.
Er nutzte offensichtlich die hell glitzerndende Wasseroberfläche als Orientierungshilfe auf dem Flug nach Dawson City.
Nach dem Essen war es bereits stockdunkel geworden und es regnete in Strömen.
Unsere allabendliche Unterhaltung am Lagerfeuer oder am Flußufer mußten wir
ausfallen lassen.
Das elende Wetter hatte uns die Laune verdorben und wir zogen es vor, in die
warmen Schlafsäcke zu krichen.
Die Bären dieses Gebietes hatten uns in Ruhe schlafen lassen. Als wir am Morgen
erwachten, lauschten wir zuerst nach dem Prasseln der Regentropfen auf unserem
Zelt. Nichts war zu hören - absolute Stille!
Dunst lag im Wald und über dem Fluß. So richtig schön war das Wetter ja nicht,
aber die Regenwolken hatten sich verzogen und der Himmel versprach eine Wetterbesserung.
Eine große Kanne mit heißem Kaffe und diverse Wurstbrote wurden zum Lebenselexier und wir waren wieder die Alten.
Als wir unser Lager abbauen wollten, steuerte plötzlich ein Kanu auf unser Camp
zu.Offensichtlich hatten die beiden Insassen, ein Mann und eine Frau, kein gutes
Camp für die Nacht gefunden. Sie sahen durchfroren und durchnäßt aus.
Der Gaskocher war schnell in Gang gebracht und bei reichlich heißem Kaffee berichteten sie über ihre Tour auf dem Big Salmon River und dem Yukon. Die vergangenen Nacht hatten sie auf einer sumpfigen Insel verbracht.
Als sie von unserer Tour auf dem South Macmillan hörten, wunderten sich beide
wie wir das geschafft hätten. In Carmaks hatten sie gehört, daß eine Woche nach
uns zwei Kanubesatzungen auf dem "Big Mac" in Not geraten waren. Ein Kanu
soll in den Stromschnellen zerbrochen sein, das andere war gekentert. Dank Satellitentelefon wurden alle beteiligten per Hubschrauber gerettet.
Im Verlauf unserer Unterhaltung erfuhren wir, daß es sich bei unseren Gästen um
einen Amerikaner und eine Deutsche handelte. Beide hatten sich irgendwo kennengelernt und beschlossen, sich den Yukon anzusehen.
Sie waren Globetrotter, schlugen sich mit Gelegenheitsarbeiten durchs Leben und
hatten schon viel von dieser Welt gesehen. Die ganze Sache hatte allerdings auch
seinen Preis. Solche Leute leben in permanenter Sorge um den nächsten Tag.
Da wir das gleiche Ziel bei unserer Fahrt auf dem Yukon hatten, würden zufällige
Begegnungen bis nach Dawson durchaus möglich sein. Wir verabschiedeten uns
von den beiden bis zum nächsten Treffen.
Unser erstes Ziel war an diesem Tag der Coffe Creek. Das ist auch ein kleiner Bach
wie der Selwyn River, aber für mich mit Erinnerungen an meine Tour vor zwei Jahren verbunden.
Dort hatte damals John Nicolas Bodlarek seine Blockhütte und lebte ein sehr einsames
Leben.
Zufällig hatten wir 1998 auf der Fahrt vom Big Salmon River nach Dawson am
Ufer seine gut versteckte Hütte entdeckt. Standesgemäß empfing er uns mit reichlich
"Coffee" und wir lauschten seinen Erzählungen von der Einsamkeit, dem harten
Winter und den aufdringlichen Schwarzbären.
John versprach mir damals, eine Bärenkralle aufzuheben, die ich bekommen sollte,
wenn ich irgendwann wieder vorbeikommen würde. Ich wollte einige Bilder mitbringen, die ich von ihm, seinen Hunden und dem Blockhaus gemacht hatte.
All das konnte nun nicht mehr verwirklicht werden!
Ein halbes Jahr nach unserem Besuch erlag J.N. Bodlarek seinem Krebsleiden.
Obwohl ich ihn nur ganz kurz kennengelernt hatte, habe ich ihn als netten, freundlichen Menschen in Erinnerung behalten.
Das Wetter wurde immer besser und ab und zu zeigte sich sogar die Sonne.
Träge schlängelte sich der Yukon durch die relativ niedrigen Berge. Stellenweise
befanden sich so große Inseln im Fluß, daß man glaubte das Ufer zu sehen. Wir
waren jetzt ständig damit beschäftigt dem Hauptstrom zu folgen. In einem Seitenarm kam die Strömung oft fast zum Erliegen und man mußte selbst ordentlich
paddeln, um vorwärts zu kommen.
Dank unserer Karte fanden wir den Coffee Creek ohne Probleme. Als wir das Kanu aus dem Wasser zogen, krachte es gewaltig im Gebüsch und ein kapitaler Elch
fegte mit seinen riesigen Schaufeln durch das Geäst.
Der schmale Pfad zur Hütte war noch gut zu erkennen und als wir ihm folgten, trafen wir geradewegs auf eine blaue Gedenktafel mit weißer Schrift.
Dort stand : In loving Memory of "Coffee John"
  John Niclas Bodnarek
  March 23,1942 - January 30, 1999
Wir fanden alles fast so vor, als ob der Besitzer noch hier wohnen würde. Wertvolle Genstände, wie das Sprechfunkgerät und die vielen Waffen waren wohl von
Verwandten oder Bekannten mitgenommen worden. Ansonsten war alles so, wie
ich es von 1998 noch in Erinnerung hatte.
Vom Selwyn River bis zum Coffee Creek hatten wir erst ca. 49 km zurückgelegt
und es war noch zu früh am Tag, um schon ein Camp zu errichten.
Wir machten den Kirkman Creek zu unserem Tagesziel. Dort befindet sich eine
bewohnte Blockhütte am rechten Ufer des Yukon. Ich wußte von der Möglichkeit
dort gut campen zu können und man konnte auch frisches, selbstgebackenes Brot
bekommen.
Vor uns lagen noch etwa 22 km auf dem breiten, träge fließenden Yukon River.
Die Anzahl der Inseln im Fluß nahm ständig zu. Mir fiel im Vergleich zu meiner
Tour vor zwei Jahren besonders auf, daß die Inseln und auch das Ufer nicht diese
steilen teilweise gefährlich überhängenden Uferbereiche hatten. Dies war die Folge
des unnatürlich hohen Wasserstandes in diesem Sommer.
Nach dem Danman Creek, der auf der linken Seite in den Yukon mündet, breitete
sich vor uns ein Inselgewirr aus, daß wir nicht mehr erkennen konnten wo eigentlich der Hauptstrom geblieben war.
Die Darstellung der Inseln auf unserer Karte hatte mit der Wirklichkeit überhaupt
nichts zu tun. Konnte sie auch nicht! Alljährlich werden ein Großteil der Inseln im
Frühjahr bei Hochwasser weggerissen und an anderer Stelle wieder abgelagert.
Dies ist auch die Ursache für die Probleme, die man bei der Bestimmung der eigenen Position auf dem Fluß hat. Man mußte sich sehr oft damit abfinden, daß man
die Orientierung verloren hatte und sie erst bei der nächsten Flußmündung wiederfinden würde.
Aktuelle Flußkarten in stengem Sinne gibt es eigentlich vom Yukon und seinen Nebenflüssen nicht - irgendwo sind sie immer nur ein Kompromiß zwische Vergangenheit und Tatsache.
Wir kamen nach dem schon erwähnten Danman Creek in solch ein Inselbereich
mit unüberschauber vielen Kanälen, Sandbänken und Inseln. Selbstverständlich
wählten wir genau den Flußarm, der sich immer weiter verzweigte und schließlich
nur noch kleine Rinnsale bildete, in denen wir auf Grund liefen.
Wir mußten aussteigen und das Kanu ziehen und schieben bis wir wieder die
sprichwörtliche "Handbreit Wasser unter den Kiel" hatten. Das war stellenweise
eine ordentliche Plackerei!
Wie zum Hohn stand an einer Stelle, wo es am mühsamsten war, in einer Entfernung
von etwa 100 m ein kapitaler Elchbulle und schaute unserem Treiben aufmerksam
zu.
Als das Inselgewirr hinter uns lag, sahen wir schon aus der Ferne einige Fahnen
am rechten Flußufer wehen. Das war der Kirkman Creek- unser Tagesziel!
Ohne die Örtlichkeiten erst erkunden zu müssen, brachten wir unsere Ausrüstung
und das Kanu an Land.
Die Besitzerin des Anwesens lebte hier mit ihren beiden Söhnen von der Ausbeutung des auf sie vererbten Claims. Sie hatten im 156 km entfernten Dawson City
noch ein Haus, wo sie den Winter verbrachten.
Zu großem Reichtum hatten sie es bisher nicht gebracht. Das Blockhaus war mit
Sicherheit noch zu Zeiten des Goldrausches vor etwa 100 Jahren vom Entdecker
des Claims gebaut worden.Es machte einen sehr baufälligen Eindruck.

Kirkman Creek
Nach guter alter Yukon-Tradition sah es rund um das Blockhaus aus, wie auf einer
Müllhalde.
So, wie wir es von der Pelly River Range kannten, hatte man sich auch hier bemüht,
alle defekten Geräte und Unrat gleichmäßig auf dem Gelände zu verteilen.
Da gab es Rasenmäher,Waschmaschinen, Stromaggregate,einen kleinen Traktor,
Waschwannen, Hundeschlitten, Wagenräder und, und und……
Mit einer Freundlichkeit, mit der man nur gute Freunde begrüßt, wurden wir aufgenommen und konnten sogar zwischen einer kleinen neu erbauten Blockhütte oder
einem Platz auf der gemähten Wiese wählen.
Standesgemäß blieben wir bei unserem Zelt und einem Überdach aus unserer Plane. Unter diesen günstigen Bedingungen und mit unserer Routine war alles nach einer
Stunde fertig aufgebaut.
Auch an diesem Tag hatten wir uns ein gutes Abendessen verdient. Wie üblich, hatten wir auch heute unterwegs schon das abendliche Menü festgelegt.
Es sollte Bratkartoffeln mit Röstspeck, Röstzwiebeln und Spiegeleier geben.
Da ich keine Kartoffeln vorgekocht hatte, dauerte die Zubereitung auch einige Zeit.
Aber was tut man nicht alles für ein ordentliches Essen!
Das Wetter hatte sich auch etwas gebessert und wir beschlossen, mindestens zwei
Tage hier zu bleiben.