08.August 2000, Dienstag - blauer Himmel - die Sonne lacht, 23 C°
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Wollte nach wochenlangem Regen etwa der Sommer an den Yukon kommen ?
Als wir etwa um 8 Uhr aufstanden schien die Sonne. Gestern so schönes Wetter
und heute wieder Sonnenschein ? So lange hatten wir auf der ganzen Tour noch
nicht die Sonne gesehen und ihre wärmenden Strahlen gespürt. Da Ralf die schwere Küchenkiste beim Umtragen der Stromschnellen immer alleine getragen hatte, klagte er schon seit Tagen über Rückenschmerzen. Für mich war das gleich ein Grund darüber nachzudenken, wie man in Zukunft mittels eines Tragegestells die Ausrüstung besser transportieren konnte. Irgendetwas in dieser Richtung mußte ich mir zu Hause einfallen lassen. Wir beschlossen, den heutigen Tag zum "Faulenzertag" zu erklären! Mit der Strömung wollten wir uns treiben lassen und so richtig faul sein. Erst 10:15 Uhr legten wir ab und genossen das Bad in der Sonne. Nur wenn es zwingend erforderlich war griffen wir zum Paddel und korrigierten den Kurs. Würde der Flußlauf geradeaus fließen, wären wir mit Sicherheit längst in Pelly Crossing gewesen. Aber er schlängelte sich mit seinen Mäandern durch die Weite der kanadischen Wälder, als ob er sich dagegen wehren wollte, bald in den Pelly River münden zu müssen. Wie Teilnehmer einer Safari kamen wir uns vor, als wir im Kanu liegend eine Elchkuh mit Kalb sahen und später am Ufer einen Schwarzbären beobachteten, der offensichtlich etwas fressbares gefunden hatte und uns nicht bemerkte. Um uns herum die hohen Berge und zu beiden Seiten des Flusses die unendlichen Wälder - wir waren wie verzaubert von der Schönheit der Natur. Ruhig und entspannt trieben wir dahin. Das war unser erster Urlaubstag ohne Gefahren und Stress. ![]() Sonnenbad im Kanu Kanadagänse und uns unbekannte Entenarten, die es in den engen Tälern, oben in den Bergen nicht gegeben hatte, waren jetzt sehr oft zu sehen. Leider hatte sich die Situation bezüglich der Lachse nicht geändert. Trotz intensiver Beobachtung des Wassers war kein einziger Lachs zu sehen. In dieser Beziehung hatten wir vor zwei Jahren am Big Salmon River wesentlich mehr Glück. Im Oberlauf, da wo wir drei Seen überqueren mußten, gab es Äschen und Forellen im Überfluß. Tagelang haben wir unseren Heißhunger auf Fisch mit gebratenen und geräucherten Äschen und Forellen gestillt. Besonders köstlich waren auch die Fischsuppen, für die wir extra Gemüse, Graupen und Zitronen mitgenommen hatten. Einige Tage später waren dann auch die Lachse da und es gab frischen Wildlachs in allen Variationen. Ob gebratener, gekochter oder geräucherter Lachs, er war immer köstlich. Doch dann kam auch der Tag, an dem wir erstmal keinen Fisch mehr essen wollten. Ein Wurstbrot war nun wieder der große Renner. Ab sofort wurde auch das Angeln eingestellt, denn wir wollten keinen Lachs fangen, ohne die Absicht zu haben, ihn auch zu essen. Hier am Macmillan hätte uns ein einziger Lachs erstmal gereicht. Ralf kannte ja den Hochgenuß von gebratenem oder geräuchertem frischen Lachs noch nicht. Ich wußte aber sehr genau worauf ich leider verzichten mußte. Das Fischsuppengemüse, das wir verloren und dann wiedergefunden hatten, war nun ohnehin verwelkt und konnte nicht mehr verwendet werden. In Sachen Verpflegung bestand allerdings keine Not! Wir hatten den selbstgefangenen Fisch nicht fest eingeplant! Aber gerade als wir am Macmillan von den Stromschnellen nicht mehr so beansprucht wurden und mehr Zeit hatten, hätte ich gerne meine Kochkunst bei der Zubereitung von Wildlachs gezeigt. Sollte das in diesem Jahr ein Traum bleiben ? In weiter Ferne war da am rechten Ufer etwas helles zu sehen. Dieser helle Farbton paßte nicht zur Umgebung. Es mußte etwas besonderes sein! Langsam trieb unser Kanu, nur von meinem Paddel gesteuert, darauf zu. Erst in einer Entfernung von etwa 50 m konnten wir erkennen, was es war. Es war ein von Sonne, Wind und Wetter ausgebleichtes kapitales Elchgeweih. Mit Draht hatte man es samt Kopf des Elches an einer angeschwämmten Baumwurzel befestigt. Mir war bekannt, daß die Indianer in Kanada von der Regierung bestimmte Gebiete zur Jagd zugewiesen bekamen. Diese Gebiete sind auch heute noch für weiße Jäger tabu! Laut unserer Flußkarte war aber hier kein solches Gebiet! Kaum jemand der hierher kommt, wird sich aber die Arbeit machen ein Elchgeweih an einer Wurzel zu befestigen, wenn er keinen wichtigen Grund dafür hat! Was sollte uns dieses Zeichen sagen ? Wir konnten die Botschaft nicht deuten und fuhren mit einem Gefühl der Erwartung weiter. Obwohl wir heute kaum selbst gepaddelt hatten, waren wir mit der Strömung sehr gut vorwärts gekommen. Die Sonne hat es den ganzen Tag sehr gut mit uns gemeint. Wir hatten im Gesicht sogar etwas Farbe bekommen und all unsere Sachen waren restlos getrocknet. Am Nachmittag war es dann Zeit einen geeigneten Übernachtungsplatz zu finden. Das war bei unseren Ansprüchen keine leichte Aufgabe. Als wir dann eine kleine Lichtung am rechten Ufer entdeckten, glaubten wir schon ein ideales Camp für die kommende Nacht gefunden zu haben. So, wie wir es bisher immer gemacht hatten, kontrollierten wir auch an diesem Tag den gesamten Platz und seinen angrenzenden Baumbestand. Keinesfalls wollten wir in ein markiertes Bärenrevier geraten. Leider fanden wir ein deutliches Anzeichen für die Anwesenheit eines Bären. Vor uns lag im Gras ein beachtlicher Haufen ausgeschiedener oder ausgewürgter roter Beeren. Man konnte sie nicht mehr richtig zuordnen, aber dem Bären waren sie offensichtlich nicht gut bekommen. In diesem Fall gab es für uns keine Diskussion, wir mußten uns einen anderen Platz suchen. Als wir laut Flußkarte an dem Tag etwa 70 km zurückgelegt hatten, fanden wir dann noch einen schönen Platz auf einer Sandbank mit ausreichender Sicht nach allen Seiten. Obwohl es schon mehrmals Nudeln mit Tomatensoße gab, hatte ich an diesem Abend Appetit darauf. Ralf brauchte ich in diesem Fall nicht zu fragen, das war sein Leibgericht! Keine Stunde war nach unserer Ankunft vergangen und das Zelt stand fertig ausgestattet da. Auf dem Lagerfeuer köchelte ein Riesentopf mit Nudeln und mit dem Propankocher zauberte ich eine nach Knoblauch duftende Tomatensoße.Selbstverständlich hatten wir auch geriebenen Parmesankäse für das Sößchen mit. Das gute und reichhaltige Essen am Abend war bisher auf unserer Tour ein fester Bestandteil der Tagesetappe. Das sollte auch in Zukunft so bleiben! So lecker, wie das Essen bei der Zubereitung geduftet hatte, so lecker schmeckte es uns dann auch. Wie an jedem Tag, blieb nichts übrig! Satt und zufrieden genossen wir dann ein Zigarillo und gönnten uns auch einen kräftigen Schluck "Aromatique" (ein nach Lebkuchen schmeckender Kräuterlikör, den es schon in DDR-Zeiten gegeben hatte) Getreu nach dem Sprichwort : "Wer Sorgen hat, hat auch Likör", hat ihn uns Ralf`s Vater als Universalmittel gegen 1000 Beschwerden mitgegeben. Ich muß sagen, daß er mir hier in der freien Natur wesentlich besser schmeckte als zu Hause. Auch in dieser Nacht schliefen wir fest und ruhig bis zum nächsten Morgen, als uns die hoch am Himmel stehende Sonne begrüßte. |
| 70 km Sandbank Camp 10 |
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