11. August 2000, Freitag - Nieselregen - kühl, 8 °C
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Der Tag begann mit häßlichem Nieselregen. Gestern hatten wir ja schon festgestellt, wie uninteressant dieses Pelly Crossing ist und wollten auch ohne Verzögerung weiterfahren. Nach dem Frühstück hat dann Ralf seinen Vater zu Hause angerufen. Er war derjenige, den man zu dieser Zeit auch zu Hause antreffen würden.Von ihm wurden dann meine Angehörigen verständigt. Unser erstes Lebenszeichen nach zwei Wochen war natürlich eine große Erleichterung für unsere Lieben zu Hause. Anschließend übernahm Ralf wieder den Abbau des Lagers und ich schulterte meine Kraxe und lief zum "Store", der 200 m entfernt gelegenen Tankstelle am Klondike Highway. Ich hatte mir vorher eine Aufstellung unserer Fehlposten gemacht und konnte so schnell und zielgerichtet suchen. Obwohl der Laden nicht groß war, fand ich alles, was wir brauchten. Da sich Ralf immer sehr über reichliches und köstliches Essen freute, nahm ich für unser heutiges Abendessen alle Zutaten für "Hamburger" mit. Diesbezüglich war ein überreiches Angebot vorhanden. Allerdings waren die Preise auch nicht von schlechten Eltern. 11:30 Uhr Ortszeit waren wir fertig, um uns von der Zivilisation wieder zu verabschieden. Wir bedauerten das in keiner Weise. Besonders freuten wir uns auf das fehlende Dröhnen des Dieselgenerators von Pelly Crossing. Vor uns lagen weitere ca. 410 Flußkilometer bis zu unserem Zeil. Nachdem wir etwa einen Kilometer gefahren waren, schwamm ein Schwarzbär seelenruhig vor unserem Kanu von einem Flußufer zum anderen. Nun hatte uns die Wildnis wieder! Für die etwa 80 km bis zur Mündung des Pelly Rivers in den Yukon hatten wir keine Karten zur Verfügung. Zwei Fakten kannte ich allerdings! Es gab keine gefährlichen Stromschnellen und es gab keinen Wasserfall! Alles andere würde keine Probleme machen. Die weiten Ebenen zu beiden Seien des Ufers waren mit hohem Gras, Büschen und zusammenhanglosen Waldstücken bewachsen. Der Fluß lag mit seinem Wasserspiegel etwa 3m unter der Uferabbruchkante und man konnte nur an sehr wenigen Stellen die Landschaft überschauen. Mit einer Geschwindigkeit von etwa 7 km/h kamen wir auf dem Fluß treibend zügig voran. Nach den am Vortag ausgestandenen Strapazen im Granite Canyon, kam uns ein solcher Tag ohne Anstrengungen gerade recht. Schätzungsweise hatten wir so gegen 18:30 Uhr etwa 45km zurückgelegt, als wir nicht glauben konnten, was wir weit vor uns am rechten Ufer sahen. Es war ein großes schwarzes Tier mit einem gedrungenen Kopf und relativ langen Beinen. Ein wesentlich kleineres Tier bewegte sich in dessen unmittelbarer Nähe. Aus einer Entfernung von etwa 200 m konnten wir nicht genau erkennen, um welche Tiere es sich handelt. Für einen Schwarzbär war es zu groß und hatte zu lange Beine. Zu einem Elch paßte der gedrungene Kopf, der massieve Körper und das schwarze Fell nicht. Oder war es einer der wenigen Waldbüffel, die es vereinzelt noch gab ? Aber hier im Yukon Territory - sehr unwarscheinlich! Als wir näher kamen und erkannten um welches Tier es sich handelte, mußten wir über uns selbst lachen! Es war eine schwarze Kuh mit ihrem Kalb! Was macht aber eine Kuh mit ihrem Kalb rund 45 km vom nächsten und einzigen Ort entfernt in tiefster Wildnis ? Sehr seltsam und für uns unerklärlich. Einen Kilometer flußab die nächste Überraschung. Auf der gleichen Uferseite auf der wir die Kuh mit ihrem Kalb gesehen hatten, lief ein großer Schwarzbär in deren Richtung. Er lief so zielsicher, als wüßte er genau wohin er wollte. Das Wetter hatte sich nicht gebessert und wir waren durch den kalten Wind und fehlende Bewegung ziemlich durchfroren. Es war Zeit für ein gutes Camp, ein wärmendes Lagerfeuer und ein gutes Essen. Hinter einer Flußbiegung, etwa 20 km vor der Mündung in den Yukon, sahen wir etwas völlig unerwartetes. Am rechten Ufer befand sich ein Tal mit einer Ausdehnung von schätzungsweise 3 qkm. Wie eine überdimensional große Kiesbank hatte der Fluß vor langer Zeit wohl dieses Tal geschaffen. Seitdem hatte er sich tiefer und tiefer in den Boden gegraben und lag nun etwa 4 m unterhalb der Uferkante. Obwohl wir vom Wasser aus die Ebene nicht überschauen konnten, sahen wir zu unserer Überraschung ein Haus am Ufer stehen. Das kam uns gerade recht, dort konnten wir sicher einen guten Lagerplatz finden. In gebührendem Abstand gingen wir an Land, um die Lage zu erkunden. Wir wußten ja nicht, ob das Blochhaus bewohnt war und mit welchem Typ Mensch wir es ggf. zu tun hatten. Ralf bewachte unsere Ausrüstung und ich ging auf Erkundungstour. Als ich die Uferböschung erklommen hatte, sah ich noch weitere Blockhütten und ein größeres Gebäude, welches meiner Meinung nach zur Unterbringung von Tieren diente. Ein Misthaufen mit gewaltigen Ausmaßen ließ darauf schließen, das es sich hier um eine Farm handelte, die über einen beachtlichen Tierbestand verfügte. Diese Erkenntnis erklärte auch gleichzeitig die Herkunft der flußauf beobachteten Kuh mit ihrem Kalb. Bei den Bewohnern handelte es sich um 3 Familien mit ihren zahlreichen Kindern aller Altersgruppen. Nachdem alle Bewohner zusammengekommen waren und ich erklärt hatte woher wir kamen und was das Ziel unserer Reise war, wurde ich freundlich begrüßt und aufgefordert das Lager an einer uns zusagenden Stelle aufzuschlagen. Zu meinem Erstaunen stellte man mir dann eine junge Frau vor, die seit einem Jahr hier lebte und aus Deutschland kam, um der Lebensweise in ihrer Heimat zu entfliehen.Somit hatten wir hier auch keine Verständigungsprobleme mehr. ![]() Pelly River Range Wir bauten etwas abseits unser Lager auf, Ralf sammelten Brennholz und ich bereitete uns ein köstliches Abendessen. Ralf wußte nichts von den Hamburgern, die ich machen wollte und für die ich alle Zutaten eingekauft hatte. Groß war das Staunen, als zwischen die beiden Brötchenhälften die Fleischscheibe, Zwiebelringe, Ketchup und ein Salatblatt geklemmt wurde. So wurden nach und nach, vollkommen ohne Eile, innerhalb der nächsten 2 Stunden von uns beiden je vier Hamburger verschlungen. Wie hungrig doch das Leben in der Natur macht! Während unseres üppigen "Abendmahls" kam die junge Frau aus Deutschland zu uns und war sichtlich froh, sich in ihrer Muttersprache unterhalten zu können. Von ihr erfuhren wir viel über die Lebensweise auf dieser Farm. Später kamen die drei Frauen der Farmer noch dazu und erkundigten sich, mit guter Ortskenntnis, nach unseren Erlebnissen in den Stromschnellen des Macmillan Rivers. Sie sagten uns, daß die Männer im Herbst dorthin fahren, um auf Elch- und Bärenjagd zu gehen. Nachdem wir reichlich Kaffe mit einem ordentlichen Schuß Whisky ausgeschenkt hatten, löste sich die Versammlung langsam auf. Wir beide setzten uns noch an die Uferböschung und jeder schmokelte ein's von den Zigarillos. Als wir uns gerade in den Schlafsäcken verkrochen hatten, fielen in einiger Entfernung zwei Schüsse. Laut Aussage der "Deutschen" gelten solche Schüsse fast immer den Wölfen, die es auf die Hühner und Kälber der Farm abgesehen haben. Weitere Schüsse konnten wir nicht mehr hören, da unsere Einschlafphase unterhalb von 3 min. lag. |
| Pelly River Range 60 km Camp 13 |
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