16. August 2000, Mittwoch - Nachts trocken, 0°C, am Tag bewölkt , 5-8 °C
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Der Himmel versprach an diesem Morgen etwas besseres Wetter, als es in den
letzten Tagen war. Wir wollten an diesem Tag unseren Weg nach Dawson fortsetzen. Von dem schon gekosteten selbstgebackenen Brot der Einsiedlerin wollen wir auf jeden Fall zwei Stück mitnehmen.Unser vor drei Wochen in Whitehorse gekauftes Brot war sehr hart geworden und mit frischem Brot nicht zu vergleichen. Alles was es hier am Kirkman Creek zu kaufen gab, hatte den gleichen Preis. Die Übernachtung pro Person 5 $/ Tag und ein Brot 5 $. Wir bauten unser Camp ab, verstauten alles im Kanu und verabschiedeten uns von den drei "Kirkmännern". Wir mußten versprechen, beim nächsten Mal wieder hier Rast zu machen, was uns angesichts der guten Bedingungen für ein Camp auch nicht schwer fiel. Chris und Scott hatten sich am Tag zuvor schon wieder auf den Weg gemacht.Beide machten den Eindruck, als wären sie am Ende ihrer Kräfte angelangt. Bestimmt wollten sie Dawson City nun schnell erreichen, um wieder unter Menschen zu sein. Wir vertrauten uns gegen 11 Uhr mit unserem Kanu wieder dem Yukon an. Das Tagesziel war die Mündung des 60 Mile River. Den Namen bekam der Fluß zu Zeiten des Goldrausches um 1898. Die auf Flößen und Booten den Goldfeldern am Klondike entgegenströmenden Abenteurer wußten, daß es von diesem Fluß aus nur noch 60 Meilen ( 96 km ) bis Dawson sind. Nach etwa 13 km erreichten wir am Thistle Creek die derzeit ertragreichste Goldmine am Yukon. In unmittelbarer Nähe des Ufers lag ein unvorstellbar großer Dieseltank auf einem zusammengeschobenen Erdwall. Verglichen mit den bei uns üblichen Tankwagen mußte dieser Tank mindestens 200 000 Liter Diesel fassen. Vom Tank aus ging ein 4 Zoll-Schlauch mit einem einfachen Zapfhahn ab. Im Umkreis von 10 m war das Erdreich, wer weiß wie tief, mit Diesel getränkt. An dieser Stelle werden die Tankwagen der Goldmine aufgetankt, die den Kraftstoff dann hinauf in die Berge schaffen. Als ich vor zwei Jahren hier war, wußte ich nicht, wie weit man laufen mußte, um die Mine zu erreichen. Wir gingen damals einfach los und dachten die Mine nach wenigen Wegbiegungen erreichen zu können. Es wurde eine beschwerliche, ca.8 km weite Wanderung auf einem sich in Richtung Berggipfel windenden Weg. Die Mine hatte gewaltige Ausmaße. Mit riesigen Baggern, LKW's und Horizontalsieben hatte man die Landschaft vergewaltigt. In der Umgebung des Hauptcamps lag viel Müll, Ölfässer und ausgedientes technisches Gerät umher. Tag und Nacht lief in einem Kontainer ein großes Diesel-Stromaggregat zur Erzeugung der notwendigen Energie. Uns gefiel dieser Anblick garnicht und wir traten damals recht schnell den Rückweg an. ![]() Goldmine am Thistle Creek Ich hatte keinen Bedarf mir das Ganze nochmals anzusehen, wäre aber mitgegangen, wenn Ralf Interesse gezeigt hätte. Er hatte aber auch kein Bedarf, sich die zerstörte Landschaft anzusehen und wir setzten unsere Fahrt fort. Einen Kilometer flußab schwamm zum wiederholten Mal ein Schwarzbär über den Fluß in Richtung einer Insel. Es war immerwieder erstaunlich wie zügig diese Bären in der doch beachtlichen Strömung und dem kalten Wasser schwimmen können. Laut Karte mußten wir vor der Mündung des White Rivers noch durch ein Gebiet mit unzähligen Inseln kommen. Und so war es dann auch! Ab dem Rosebute Creek war die Suche nach der Hauptströmung sehr schwierig. Einmal erwischten wir einen Seitenarm, der regelrecht im Sande verlief. Wir mußten umkehren und einen anderen Weg suchen. Auf der linken Flußseite, unmittelbar vor der Mündung des White Rivers hatte ich vor zwei Jahren aus großer Entfernung eine Blockhütte gesehen. Diesmal steuerte ich das Kanu so, daß wir dort an Land gehen konnten, um uns die Hütte und deren Umfeld ansehen zu könnten. Es konnte ja sein, daß man irgendwann an dieser Stelle einen guten Platz zum Übernachten sucht. Leider war alles sehr baufällig und muffig. Kein guter Rastplatz! Der White River ist wie ein Dolchstoß in die linke Flanke des Yukon Rivers. Er entspringt in den St. Elias Mountains und transportiert tonnenweise Vulkanasche eines 1912 ausgebrochenen Vulkans in den Yukon. Bis hin zu Mündung in das Bering Meer, wird der Yukon nicht mehr die Wasserqualität erreichen, die er vor dem Zufluß des White Rivers hatte. Das hellgraue Wasser des White Rivers braucht nur etwa einen Kilometer, um dem Yukon seine Farbe zu geben. Von nun an, hörte man ständig das schleifende Geräusch der Aschepartikel am Bootsrumpf. An diesem Dreck sind wir Menschen ausnahmsweise mal nicht beteiligt! Auch der etwa 12 km weiter von rechts in den Yukon mündende wasserreiche Stewart River vermag es mit seinem klaren Wasser nicht, die Wasserqualität des Yukon merklich zu verbessern. Wir näherten uns bei nunmehr strahlendem Sonnenschein dem Mündungsgebiet des Stewart Rivers. An dieser Stelle breitet sich das Flußbett gewaltig aus und man muß selbst mitten auf dem Fluß damit rechnen, auf Grund zu laufen. Zu Zeiten des Goldrausches und noch lange danach gab es auf Stewart Island, einer Insel im Fluß, einen Handelsposten. Von ihm aus wurden die Indianer, Goldsucher, Jäger und Fallensteller mit allem versorgt, was gebraucht wurde. ![]() Burian Store Bedingt durch Strömungsänderungen des Yukon wurde die Insel in den letzten Jahrzehnten immer mehr abgetragen und der Handelsposten wurde aufgegeben. 1998 hatte man noch versucht, die Gebäude auf Rollen gelagert, mit einer Planierraupe von der Uferzone zu entfernen um sie als historische Gebäude zu erhalten. Diese Mühe war vergebens! Mit eigenen Augen konnten wir uns davon überzeugen, wie dramatisch die Situation war. Als wir 1998 an Land gingen wohnte hier noch eine Familie mit Kindern. Die großen Gebäude und auch das Wohnhaus standen damals noch gut 30 m von der steil abfallenden Uferkante entfernt. Jetzt ragte das ehemalige Wohnhaus in seiner halben Länge über das Ufer hinaus. Unter ihm strömte das Wasser vorbei und es war nur eine Frage der Zeit, wann es abbrechen und in den Fluß stürzen würde. Da es auf der Insel Milliarden von Mücken gab, beeilten wir uns mit dem Filmen und Fotografieren und suchten das Weite. Das Inselgewirr setzte sich nach Stewart Island noch fort. Ständig darauf achtend, nicht wieder in einen Totarm zu fahren, erreichten wir nach gut 80 km Fahrt, den 60 Mile River. Dort, wo wir vor zwei Jahren unser Lager aufgebaut hatten, war jetzt vom Fluß viel Schlamm abgelagert worden. Junge Weiden hatten sich hier ausgebreitet und es war nicht möglich an dieser Stelle das Camp zu errichten. Wir fanden aber auf einer hohen Insel in der Nähe der Mündung ausreichend Platz, um dort zu übernachten. Weil es schon ziemlich spät am Abend war, sollte es ausnahmsweise mal kein aufwendiges Festmenü geben. Ich kochte uns einen großen Topf Haferflocken und dazu gab es Apfelmus. Am nächsten Tag wollten wir in einem Ritt bis Dawson durchpaddeln. Um das zu schaffen, mußten wir zeitig aufstehen und würden erst spät dort ankommen. Unser Vorrat an Whisky hatte so sehr abgenommen, daß wir uns an diesem Abend nur mit einem Zigarillo begnügten. Den restlichen Whisky wollten wir für unsere Abschlußfeier in Dawson aufheben. Wir waren gerade in unsere Schlafsäcke gekrochen, als ganz in der Nähe mehrere Wölfe ihr Geheul anstimmten. Wir glaubten in diesem Moment wirklich daran, daß sie sich von uns verabschieden wollten. |
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